Leica M Vollformatkameras: der vollständige Guide
Letzte Aktualisierung : 13/06/2026
Leica teilt sich heute das L-Bajonett mit Panasonic und Sigma. Dazu haben wir bereits einen ausführlichen Guide über die besten Kameras mit L-Mount veröffentlicht. Lange vor dieser Kooperation hatte die Marke jedoch bereits ein anderes System für ihre Vollformatkameras entwickelt: das Leica M-Bajonett.
Das M-Bajonett wurde 1954 mit der Leica M3 eingeführt und über mehrere Generationen von Messsucherkameras beibehalten, darunter die legendäre Leica M6, deren Produktion Leica Jahrzehnte nach dem ursprünglichen Aus schließlich wieder aufnahm. Auch andere Hersteller wie Cosina und Minolta nutzten kompatible Anschlüsse im analogen Zeitalter. Heute ist Leica jedoch die einzige Marke, die noch aktuelle digitale M-Kameras herstellt. Auf unserem Blog führen wir außerdem eine regelmäßig aktualisierte Liste mit allen Objektiven für das Leica M-Bajonett, einschließlich Modellen von Leica und Drittanbietern.
Leica M-Kameras bleiben auch im digitalen Zeitalter ausgesprochen ungewöhnlich. Die meisten Modelle verzichten auf Autofokus, kamerainterne Bildstabilisierung und Videomodus. Leica entwickelt sie nicht als Konkurrenz zu klassischen spiegellosen Kameras – dafür ist die SL-Serie zuständig. Stattdessen verbindet das M-System die Vorteile eines modernen Digitalsensors mit einem Bediengefühl, das sich bewusst an den analogen Messsucherkameras der Marke orientiert. Auch die Preise sind typisch Leica und damit extrem hoch.
Aktuelle Leica M-Kameras
Die aktuelle Leica M-Reihe basiert auf der mit der M11 eingeführten 60-MP-Generation. Die Kameras teilen dieselbe Grundphilosophie und einen großen Teil ihrer Technik, interpretieren das M-Erlebnis aber jeweils etwas anders: die klassische M11, die dezentere M11-P, die bildschirmlose M11-D, die reine Schwarzweißkamera M11 Monochrom und die M EV1 mit integriertem elektronischem Sucher.
Mit Ausnahme der M EV1 handelt es sich um klassische digitale Messsucherkameras. Keine von ihnen bietet Autofokus, Video oder kamerainterne Bildstabilisierung. Ihr Reiz liegt deshalb weniger in technischer Vielseitigkeit als in manueller Fokussierung, diskretem Arbeiten, hochwertiger Verarbeitung und dem direkten Zugang zum umfangreichen Angebot an M-Objektiven.
Leica M11
Die Anfang 2022 vorgestellte Leica M11 führte einen rückwärtig belichteten 60,3-MP-Vollformatsensor mit Triple Resolution Technology ein. DNG- und JPEG-Dateien können mit 60, 36 oder 18 MP gespeichert werden, wobei stets die gesamte Sensorfläche genutzt wird. Die native Empfindlichkeit beginnt bei ISO 64 und reicht bis ISO 50.000, wodurch die Kamera bei Basis-ISO ein höheres Dynamikpotenzial als die M10-Generation bietet.
Die M11 behält den klassischen optischen Messsucher, die manuelle Fokussierung und die konsequent auf Fotografie ausgerichtete Bedienung der Serie bei. Hinzu kommen 64 GB interner Speicher, ein SD-Kartenfach, USB-C und ein überarbeitetes Akkusystem. Die schwarze Aluminiumversion ist deutlich leichter als die silberne Messingversion, weshalb in den technischen Daten häufig zwei unterschiedliche Gewichtsangaben auftauchen.
Die M11 bleibt der direkteste Einstieg in die aktuelle 60-MP-Generation. Sie bietet das grundlegende M-Erlebnis ohne die zusätzlichen Besonderheiten der M11-P, M11-D, M11 Monochrom oder M EV1. Sie ist weiterhin extrem teuer, vor allem wenn noch der Preis eines M-Objektivs hinzukommt – im Leica-Ökosystem ist das allerdings kaum überraschend.
Leica M11-P
Die im Oktober 2023 vorgestellte Leica M11-P nutzt denselben 60,3-MP-Farbsensor und dieselbe Triple Resolution Technology wie die M11. Die wichtigsten Unterschiede sind das dezentere Gehäuse ohne rotes Leica-Logo auf der Vorderseite, das besonders kratzfeste Display aus Saphirglas und 256 GB interner Speicher statt 64 GB.
Außerdem war sie die erste Kamera mit integrierten Content Credentials nach dem C2PA-Standard. Dadurch können kompatible Dateien überprüfbare Informationen zu Herkunft und Bearbeitungshistorie enthalten. Rein fotografisch liegen die Ergebnisse sehr nah an denen der M11. Die Entscheidung hängt daher vor allem von Diskretion, Speicherkapazität, Displayschutz und dem Authentifizierungsworkflow ab.
Leica M11-D
Die Leica M11-D treibt die Rückkehr zum Wesentlichen noch weiter, indem sie vollständig auf ein rückseitiges Display verzichtet. Die im September 2024 vorgestellte Kamera bietet weiterhin 60, 36 oder 18 MP in Farbe, einen ISO-Bereich von 64 bis 50.000, den optischen Messsucher und 256 GB internen Speicher.
Auf der Rückseite sitzt anstelle des Displays ein ISO-Einstellrad. Bilder lassen sich weiterhin über die Leica FOTOS App übertragen und kontrollieren, während sich das Fotografieren selbst bewusst stärker an analoger Fotografie orientiert. Damit gehört die M11-D zu den spezialisiertesten Modellen der Reihe: attraktiv für Fotografen, die möglichst wenig Ablenkung möchten, aber deutlich unpraktischer für alle, die häufig Live View, Focus Peaking oder eine sofortige Bildkontrolle nutzen.
Leica M11 Monochrom
Wie der Name bereits vermuten lässt, nimmt die Leica M11 Monochrom ausschließlich Schwarzweißbilder auf. Ihr 60,3-MP-Sensor besitzt keine Farbfiltermatrix, sodass jedes Pixel direkt Helligkeitsinformationen erfasst. Das ermöglicht feinere Details, sauberere Ergebnisse bei hohen ISO-Werten und einen größeren Empfindlichkeitsbereich als bei den Farbmodellen der M11-Reihe – von ISO 125 bis ISO 200.000.
Die Kamera verfügt über 256 GB internen Speicher und folgt derselben manuellen Messsucherphilosophie wie die übrige M11-Familie. Sie ist ein ausgesprochen spezialisiertes Werkzeug: Farbe lässt sich aus ihren Dateien nicht wiederherstellen, dafür profitieren überzeugte Schwarzweißfotografen von der Tonwertwiedergabe und Bildqualität des speziell entwickelten Monochrom-Sensors.
Leica M EV1
Die im Oktober 2025 vorgestellte Leica M EV1 stellt den größten Bruch mit dem traditionellen M-Konzept dar. Sie nutzt denselben 60,3-MP-Farbsensor und dieselben Ausgabeoptionen mit 60, 36 oder 18 MP wie die M11, ersetzt den optischen Messsucher jedoch durch einen integrierten OLED-Sucher mit 5,76 Millionen Bildpunkten.
Auch die M EV1 besitzt keinen Autofokus: Die Scharfstellung bleibt vollständig manuell. Der elektronische Sucher bietet jedoch Vergrößerung und Focus Peaking, was die Arbeit mit besonders lichtstarken Objektiven, Motiven im Nahbereich, Teleobjektiven oder schwer zu fokussierenden Bildkompositionen deutlich erleichtert. Sie ist daher die zugänglichste aktuelle M-Kamera für Fotografen, die M-Objektive verwenden möchten, ohne sich auf die klassische Messsucherfokussierung einzulassen.
Ältere digitale Leica M-Kameras
Die M10-Generation und die älteren Typ-240-Modelle stehen zwar nicht mehr im Mittelpunkt der aktuellen Reihe, bleiben auf dem Gebrauchtmarkt aber weiterhin relevant. Sie bewahren das klassische Messsuchererlebnis und können günstiger sein als die neuesten M11-Gehäuse – wobei „günstig“ bei Leica natürlich relativ bleibt.
Leica M10
Die klassische Leica M10 besitzt einen 24-MP-Vollformatsensor ohne Tiefpassfilter und ohne Stabilisierung. Der native ISO-Bereich reicht von ISO 100 bis 50.000, die Serienbildgeschwindigkeit liegt bei rund 5 Bildern pro Sekunde. Zu einer Sportkamera wird sie dadurch natürlich nicht – zumal die Fokussierung vollständig manuell erfolgt.
Heute ist die M10 vor allem als Gebrauchtkamera ein interessanter Einstieg in das moderne digitale M-System. Ihre geringere Auflösung erzeugt weniger anspruchsvolle Dateien als die 60 MP der M11, während das schlankere Gehäuse und die klassischen Bedienelemente bei Leica-Fans weiterhin sehr beliebt sind.
Leica M10-P
Die Leica M10-P bietet im Wesentlichen dieselbe Bildqualität und Leistung wie die klassische M10, kombiniert das jedoch mit einem dezenteren Design, einem leiseren Verschluss und einem Touchscreen. Das rote Logo auf der Vorderseite entfällt, wodurch die für Leicas P-Modelle typische zurückhaltende Optik noch stärker betont wird.
Die technischen Vorteile gegenüber der Standard-M10 bleiben überschaubar. Auf dem Gebrauchtmarkt hängt die Entscheidung daher vor allem von Preis, Zustand und davon ab, wie wichtig dir der leisere Verschluss und das dezentere Finish sind.
Leica M10-R
Die Leica M10-R erhöht die Auflösung auf 40,9 MP, behält aber den klassischen optischen Messsucher und die manuelle Fokussierung bei. Anders als zuvor in diesem Artikel angegeben, erreicht ihre Serienbildgeschwindigkeit nicht 10 Bilder pro Sekunde, sondern etwa 4,5 Bilder pro Sekunde.
Der höher auflösende Sensor eignet sich besser für große Ausdrucke und stärkere Ausschnitte als der der ursprünglichen M10, während Gehäuseabmessungen und Bedienung der M10-Generation erhalten bleiben. Sie ist damit weiterhin eine interessante Alternative für Fotografen, die mehr Details als bei der 24-MP-M10 wünschen, ohne direkt zur 60-MP-M11-Familie zu wechseln.
Leica M10 Monochrom
Die Leica M10 Monochrom verwendet einen speziell entwickelten 40-MP-Schwarzweißsensor ohne Farbfiltermatrix. Wie die aktuelle M11 Monochrom ist sie ausschließlich für monochrome Fotografie konzipiert und kann keine Farbbilder erzeugen.
Sie bietet eine sehr gute Leistung bei hohen ISO-Werten und detailreiche Dateien, bleibt aber eine stark spezialisierte Kamera. Für Fotografen, die eine monochrome Leica zu einem niedrigeren Gebrauchtpreis als die M11 Monochrom suchen, gehört sie nach wie vor zu den interessantesten älteren Modellen.
Leica M Typ 240 und M-E Typ 240
Die Leica M Typ 240 nimmt innerhalb der digitalen M-Familie eine Sonderstellung ein, weil sie Full-HD-Video aufzeichnen kann – eine Funktion, auf die die späteren M10- und M11-Generationen wieder verzichteten. Sie besitzt einen 24-MP-Sensor, bietet ISO 200 bis 6.400 und erreicht etwa 3 Bilder pro Sekunde.
Die einige Jahre später vorgestellte Leica M-E Typ 240 wurde als zugänglichere Variante mit anthrazitgrauem Finish positioniert. Heute sind beide Modelle vor allem auf dem Gebrauchtmarkt interessant. Ihr älterer Sensor, die langsamere Bedienung und der eingeschränkte Videomodus machen sie technisch weniger konkurrenzfähig, sie können aber weiterhin einen vergleichsweise günstigen Einstieg in die digitale Messsucherfotografie bieten.
Technische Daten der aktuellen Leica M-Kameras
Die folgende Tabelle vergleicht die wichtigsten Eigenschaften der aktuell erhältlichen digitalen Leica M-Kameras. Preise werden bewusst nicht aufgeführt, da sie je nach Land, Ausführung und Sonderedition stark variieren.
| Eigenschaften | Leica M11 | Leica M11-P | Leica M11-D | Leica M11 Monochrom | Leica M EV1 |
|---|---|---|---|---|---|
| Erscheinungsdatum | Januar 2022 | Oktober 2023 | September 2024 | April 2023 | Oktober 2025 |
| Sensor | 60,3 MP BSI-CMOS in Farbe | 60,3 MP BSI-CMOS in Farbe | 60,3 MP BSI-CMOS in Farbe | 60,3 MP monochromer BSI-CMOS | 60,3 MP BSI-CMOS in Farbe |
| DNG-Auflösung | 60 / 36 / 18 MP | 60 / 36 / 18 MP | 60 / 36 / 18 MP | 60 / 36 / 18 MP | 60 / 36 / 18 MP |
| Nativer ISO-Bereich | 64–50,000 | 64–50,000 | 64–50,000 | 125–200,000 | 64–50,000 |
| Sucher | Optischer Messsucher | Optischer Messsucher | Optischer Messsucher | Optischer Messsucher | OLED-EVF mit 5,76 Mio. Bildpunkten |
| Rückseitiges Display | 2,95-Zoll-Touchscreen | 2,95-Zoll-Touchscreen aus Saphirglas | Keines | 2,95-Zoll-Touchscreen | 2,95-Zoll-Touchscreen |
| Interner Speicher | 64 GB | 256 GB | 256 GB | 256 GB | 64 GB |
| Fokussierhilfe | Messsucher / Live View / Focus Peaking | Messsucher / Live View / Focus Peaking | Messsucher / Kontrolle per App | Messsucher / Live View / Focus Peaking | EVF-Vergrößerung / Focus Peaking |
| Ungefähres Gewicht mit Akku | 530 g schwarz / 640 g silber | 530 g schwarz / 640 g silber | 539 g | 542 g | 495 g |
| Video | Nein | Nein | Nein | Nein | Nein |
| Kamerainterne Bildstabilisierung | Nein | Nein | Nein | Nein | Nein |
Welche Leica M-Kamera solltest du wählen?
Angesichts der Preise für Gehäuse und Objektive sind Leica M-Kameras eindeutig nicht für jeden gedacht. Sie richten sich vor allem an Fotografen, die manuelle Fokussierung, diskretes Arbeiten, hochwertige Verarbeitung und das Gefühl schätzen, zu den Grundlagen der Fotografie zurückzukehren. Keines der aktuellen Modelle nimmt Videos auf, keines bietet Autofokus oder kamerainterne Bildstabilisierung.
Die Leica M11 ist die naheliegendste Wahl, wenn du das aktuelle 60-MP-Messsuchererlebnis suchst. Die M11-P ergänzt ein dezenteres Gehäuse, ein Display aus Saphirglas, 256 GB internen Speicher und Content Credentials. Die M11-D ist die radikalste Wahl für Fotografen, die ohne rückseitiges Display arbeiten möchten, während sich die M11 Monochrom ausschließlich an überzeugte Schwarzweißfotografen richtet.
Die M EV1 ist die logischste Wahl, wenn du M-Objektive nutzen möchtest, aber einen elektronischen Sucher mit Vergrößerung und Focus Peaking bevorzugst. Sie ist besonders interessant für lichtstarke Objektive, Nahaufnahmen, Teleobjektive oder wenn die klassische Messsucherfokussierung aufgrund der Sehkraft schwieriger wird.
Mit kleinerem Budget bleiben M10, M10-P, M10-R und M10 Monochrom attraktive Gebrauchtoptionen. Die Standard-M10 liefert klassische 24-MP-Dateien, die M10-R bietet eine höhere Auflösung und die M10 Monochrom einen speziell für Schwarzweiß entwickelten Sensor. Die älteren Typ-240-Modelle sind weniger ausgereift, bleiben aber die einzigen digitalen M-Kameras in diesem Guide mit integriertem Videomodus.
Dies sind die aktuell erhältlichen Kameras mit Leica M-Bajonett. Sie unterscheiden sich stärker, als es auf den ersten Blick scheint, setzen die Leica-Philosophie aber jeweils auf ihre eigene Weise fort.
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Geschrieben von Sylvain PONS
Ich bin seit 2010 leidenschaftlicher Fotograf und habe mir alles selbst beigebracht, während ich auf Entdeckungsreise war. Heute widme ich mich der Aufgabe, andere bei der Wahl ihrer Fotoausrüstung zu beraten und verschiedene Tipps weiterzugeben, um ihre fotografische Praxis zu bereichern.
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