Volltest des Olympus M.Zuiko Digital ED 75mm f/1.8
Letzte Aktualisierung : 20/05/2026
Bereits 2012 kündigte Olympus ein besonderes Objektiv an: das 75mm f/1.8, dessen Brennweite im Vollformat 150mm entspricht. Bei Vollformatkameras sind wir eher 135mm oder 180mm gewohnt – Olympus scheint hier den richtigen Mittelweg gefunden zu haben. Die große Blende ist bei einem Micro‑4/3‑Sensor hilfreich, um den ISO‑Anstieg zu begrenzen. Dieses Objektiv war übrigens der Grund, weshalb ich mir ein Micro‑4/3‑System als Backup zu meiner alten Vollformat‑DSLR gekauft habe. Ich wollte keine Zooms verwenden und mochte diese Art von Brennweite. Wie das Leica Summilux 15mm f/1.7 und das Panasonic 42.5mm f/1.7 ist auch das Olympus 75mm f/1.8 vollständig mit Panasonic‑Micro‑4/3‑Gehäusen kompatibel – und natürlich mit Olympus‑Bodies.
Übrigens haben wir alle Micro‑4/3‑Objektive (Panasonic und Olympus) auf einer Seite zusammengefasst. Wenn Sie sehen möchten, was es sonst noch gibt, hilft Ihnen das sicher weiter.
In Kombination mit den 20 MP meiner Panasonic G90 mache ich hier einen Praxistest, aber auch ein paar „technischere“ Aufnahmen, um zu sehen, ob dieses Olympus 75mm f/1.8 mit der Auflösung der G90 mithalten kann. Man könnte meinen, ein Objektiv aus 2012 – als Micro‑4/3‑Kameras oft „nur“ 12 MP hatten – sei einem 20‑MP‑Sensor nicht mehr gewachsen. Ein Sprung von 1 MP im Micro‑4/3‑Format entspricht einem Plus von 4 MP im Vollformat. Anders gesagt: 12 MP Micro‑4/3 sind so anspruchsvoll wie 48 MP Vollformat, 20 MP Micro‑4/3 wie 80 MP Vollformat! Wer interessiert ist, kann sich unseren kompletten Guide zu den neuesten Micro‑4/3‑Kameras ansehen – wir erklären alle Funktionen und sagen, welches Modell sich unserer Meinung nach am meisten lohnt.
Die gezeigten Bilder wurden im RAW‑Format aufgenommen und in DxO Photolab 5 mit Standardfarbwiedergabe und aktivierten optischen Korrekturen entwickelt – außer bei den Bildern, die die Ergebnisse vor der Korrektur zeigen, sowie bei den Galerie‑Fotos, die stärker bearbeitet wurden.
Wir haben übrigens auch unseren vollständigen Test der Panasonic G90 veröffentlicht, die ebenfalls in diesem Review verwendet wurde. Sie können ihn hier lesen.
Objektivvorstellung
| Merkmale | Visuell |
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Mit einem Preis von 950 € kann man kaum von einem günstigen Objektiv sprechen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es auf Vollformat umgerechnet „nur“ einem 150mm f/3.5 entspricht. Für die Belichtung bleibt die Blende natürlich f/1.8 konstant. Das hilft, den ISO‑Anstieg bei einem Micro‑4/3‑Sensor zu begrenzen, der in diesem Bereich nicht glänzt. Der Preis spiegelt meiner Meinung nach auch wider, dass es in diesem Format keine Konkurrenz für diese Art von Objektiv gibt. Selbst heute sind ein 60mm‑Makro und ein eingestelltes 150mm f/2 die nächsten Festbrennweiten neben Panasonics 42.5 bis 200mm und den Olympus‑Pendants.

Dieses 75mm bietet eine für Micro‑4/3 ziemlich ungewöhnliche Brennweite – und sogar im Vollformatäquivalent, wenn man vom 150mm f/2.8 Makro von Sigma für DSLRs absieht, das genauso viel kostet wie das Olympus, aber deutlich größer und schwerer ist (lange Brennweite + Vollformat + 1:1‑Makro = außergewöhnlich!). Natürlich ist es kein vielseitiges Objektiv. Trotz all seiner Qualitäten wird es daher von vielen als „unterschätzt“ angesehen, weil es selten genutzt wird. Das überrascht aber nicht, denn der Einsatzbereich ist begrenzt. Dass ein Nikon 180mm f/2.8 dennoch einen guten Ruf hat, zeigt allerdings, dass es durchaus einen Markt für solche Brennweiten gibt.
Es handelt sich um ein „kleines“ Tele, das einen gewissen Abstand erfordert. Es eignet sich daher besonders für Aufnahmen im Freien, speziell Porträt oder Outdoorsport, dank der großen Anfangsblende und der Möglichkeit, Abstand zum Motiv zu halten – mit schöner Bildkompression. Wenn Sie sich fragen, warum dieses Objektiv nicht verbreiteter ist: Eine Brennweite, die für Reportagen oft etwas zu lang und für Wildlife etwas zu kurz ist, passt schlicht nicht zu vielen Anwendungen.
Ergonomie, Verarbeitung und Handhabung
Das Objektiv ist sehr gut verarbeitet, obwohl es nicht „weather‑sealed“ ist: Metalltubus, dennoch moderates Gewicht und kompakte Abmessungen. Es wiegt 305 g und kann ohne Einschränkungen an den meisten Olympus‑ und Panasonic‑Micro‑4/3‑Gehäusen verwendet werden, da es weder Stabilisator noch Blendenring besitzt, die an Panasonic evtl. inkompatibel wären.
Der breite, geschmeidige Fokussierring ist sehr angenehm zu bedienen. Auch das Gehäuse selbst überzeugt: Metall, hervorragend verarbeitet, mit Riffelungen für besseren Grip. Schade nur, dass Olympus bei diesem Preis weder Tasche noch Gegenlichtblende beilegt.
Optisch kommen 3 Linsen mit geringer Dispersion und 2 mit hoher Brechung zum Einsatz, dazu die Ultra‑High Reflection Zuiko‑Technologie zur Reduzierung von Flares, für hohe Qualität über das ganze Bild und weniger chromatische Aberration. Die 9‑Lamellen‑Blende sorgt für ein weiches Bokeh, selbst wenn abgeblendet wird.


Das Objektiv gibt es in zwei Ausführungen – Schwarz oder Silber. Die silberne Version fällt eher auf, da moderne Objektive meistens schwarz sind (Ausnahmen: einige Fujifilm‑APS‑C‑Linsen und ‑Gehäuse, die oft in Schwarz und Silber angeboten werden). Olympus verfolgt eine ähnliche „Retro“-Philosophie. Mit der silbernen Version sticht man – gerade zwischen lauter schwarzen Linsen – stärker hervor.
Autofokus
Trotz seines Alters besitzt das Olympus 75mm f/1.8 ein recht leistungsfähiges AF‑System. Offenbar hat Olympus hier an Action‑Fotografie gedacht, auch wenn heutige Linsen noch schneller sind. Im AF‑S‑Modus können Sie sich auf Geschwindigkeit, Präzision und Laufruhe verlassen.
Im AF‑C‑Modus stoßen wir erneut auf die Nachteile des fehlenden Phasen‑AF bei Panasonic‑Bodies. Das Motiv wird schnell erfasst, doch beim Verfolgen beginnt der AF zu pumpen – im Sucher schnell unangenehm, selbst wenn die Bilder scharf sind. Im Video fällt das noch stärker auf.
Wer das Maximum aus dem AF dieses Objektivs bei „sportlicheren“ Einsätzen holen will, kombiniert es am besten mit einem Olympus‑Gehäuse mit Phasen‑AF, z. B. der aktuellen E‑M1‑Reihe.
Bildqualität
Das Olympus 75mm ist sehr gut, zeigt aber langsam Grenzen, wenn es um die Anforderungen aktueller 20‑MP‑Sensoren geht. In der Bildmitte ist es bei Offenblende gut, gewinnt aber sichtbar, wenn man auf f/2.8 abblendet. Die Ränder verhalten sich ähnlich, profitieren aber noch bis f/4. Danach ist alles sehr homogen. Ab f/8 ist die Beugung leicht spürbar, bei f/11 deutlich und bei f/16 stark – die Schärfe sinkt merklich. Für eine Kamera wie die G90 ist daher der Bereich zwischen f/2.8 und f/5.6 optimal.
Hier ein Bild der Testsituation, die ich für diesen Artikel aufgenommen habe.

Hier die Entwicklung der Schärfe in der Mitte zwischen f/1.8 und f/8. Um die Fotos zu wechseln und die Entwicklung der Bildqualität zu sehen, fahren Sie einfach mit der Maus über die Blendenwerte unter dem Bild.
Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was man mit dem Olympus M.Zuiko Digital ED 75mm f/1.8 machen kann, hier einige mit ihm aufgenommene Bilder. Klicken Sie zum Vergrößern einfach auf die Fotos.
Das Bokeh
Mit dem Olympus 75mm entsteht ein eher weiches, diffuses Bokeh. Natürlich müssen Sie genügend Abstand halten, um nicht zu eng zu kadrieren. Kombiniert man jedoch diese Brennweite, die Sensorgröße und den passenden Motivabstand, lässt sich das Subjekt schön vom Hintergrund freistellen.


Verzeichnung
Die Verzeichnung ist sehr gering, nahezu nicht wahrnehmbar. Man kann sie korrigieren, der Unterschied ist jedoch minimal.


Vignettierung
Die Vignettierung ist bei Offenblende vorhanden und nimmt schnell ab. Bei f/2.8 ist sie sehr gering, bei f/4 noch weniger. Danach ändert sich nichts mehr.
Chromatische Aberrationen
Chromatische Aberrationen sind minimal, es gibt jedoch leichte grüne und magentafarbene Säume, wie man auf diesem Bild sieht. Das Problem: Sie sind so gering, dass man die Korrektur sehr stark anheben muss – was wiederum Bereiche beeinflusst, die keine Aberrationen sind.

Flares
Flares treten bei starken, direkten Lichtquellen auf, wenn sie sich am Bildrand befinden. Da Olympus beim 75mm keine Gegenlichtblende mitliefert, kann ich nicht sagen, wie wirkungsvoll sie wäre.

Koma
Koma und Astigmatismus sind bei Brennweiten um 135mm (FF) selten ein Problem. Dieses 75mm (entspricht 150mm FF) schlägt sich sehr gut – schon bei Offenblende. Nur ganz am Bildrand sieht man langgezogene Sterne. Abblenden auf f/2 oder f/2.8 bringt kaum Vorteile – nutzen Sie ruhig die Offenblende.


Sonnensterne
Vor f/16 sind die Sterne nicht sehr klar definiert und haben einen violetten Schimmer. Hier sieht man erneut das relativ starke Flare im Sonnenlicht.


Focus Breathing
Das Focus Breathing ist deutlich, bleibt aber unauffällig, wenn die Schärfentiefe bei großen Blenden gering ist – die Bildänderung geht im Bokeh unter.
Alternativen zum Olympus M.Zuiko Digital ED 75mm f/1.8
Wie erwähnt gibt es im Micro‑4/3‑Bereich kaum Alternativen mit dieser festen Brennweite. Also bleiben Zooms, die ich selbst nicht kenne, deren Reviews ich aber zum Vergleich herangezogen habe.
Das Panasonic 35–100mm f/2.8 sowie das Olympus 40–150mm f/2.8 und die f/4‑Version sind natürlich vielseitiger. Sie haben jedoch eine kleinere Blende und etwas geringere Qualität. Das Panasonic wiegt allerdings genauso viel und ist nur etwas größer – und kostet ähnlich. Das Olympus 40–150mm f/2.8 ist größer und schwerer, deckt aber einen noch größeren Bereich ab und hat eine recht große Blende. Die f/4‑Variante ist nochmals lichtschwächer, dafür leichter und kompakter.
Überblick: Olympus M.Zuiko Digital ED 75mm f/1.8
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
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Fazit
Kurz gesagt: Eines der besten Micro‑4/3‑Objektive ist das Olympus M.Zuiko Digital ED 75mm f/1.8. Der Preis ist leicht auf etwa 780 € gefallen, bleibt aber hoch – und die Eigenschaften machen es nicht für jeden Fotografen geeignet. Es ist klar kein Einsteigerobjektiv.
Wenn Sie jedoch diese längere Brennweite mögen, wird dieses 75mm zu einem einzigartigen Verbündeten, der Sie fast zum Micro‑4/3‑System „verführen“ könnte. Kein anderes System kombiniert eine etwas längere Brennweite und eine große Blende in einem leichten, kompakten Gehäuse mit Top‑Bildqualität.
Und vergessen Sie nicht, unseren Artikel über die aktuell besten Micro‑4/3‑Objektive zu lesen.
Wie so oft: Wenn Ihnen der Test gefallen hat und Sie unsere Arbeit und den Blog unterstützen möchten, können Sie dieses Objektiv über die beiden Links unten kaufen. So können wir weiterhin kostenlose, hochwertige Artikel ohne Werbung veröffentlichen.
Bis bald zu einem weiteren Test,
Bis bald,
Geschrieben von Sylvain PONS
Ich bin seit 2010 leidenschaftlicher Fotograf und habe mir alles selbst beigebracht, während ich auf Entdeckungsreise war. Heute widme ich mich der Aufgabe, andere bei der Wahl ihrer Fotoausrüstung zu beraten und verschiedene Tipps weiterzugeben, um ihre fotografische Praxis zu bereichern.
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